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Rezension "Romeo & Romy"

Romeo & Romy von Andreas Izquoerdo, insel taschenbuch

 

Vorweg: Wer bei diesem Titel eine Romanze à la Romeo und Julia erwartet, wird ziemlich enttäuscht.

 

Cover

Das Cover ist gut gestaltet, hätte mich aber nicht so angesprochen, dass ich zugegriffen hätte.

1 Punkt

 

Titel

Witziges Wortspiel, das an Romeo und Julia erinnert, allerdings spielt genau dieses Stück nicht die Rolle, die ich erwartet hätte.

2 Punkte

 

Klappentext

Nur aufgrund des Klappentextes habe ich das Buch gekauft. Überzeugend.

3 Punkte

 

Erste Abschnitte

Die Geschichte fängt tragisch und spannend an: Schauspielerin Romy verdingt sich als Souffleuse, wird allerdings gefeuert, als sie bei der Premiere von "Romeo und Julia" versagt. Was niemand mitbekommt ist jedoch, dass ihr während der Vorstellung die Nachricht vom Tod ihrer geliebten Omi Lene überbracht wird.

3 Punkte

 

Spannungsbogen

Ein bisschen ist es ein auf und ab. Zwischendrin gibt es richtig spannende Stellen, zum Beispiel über das Schicksal von Hildes Mann oder Emils Erkrankung, aber es sind eher Inseln in einer (fröhlich) dahinplätschernden Erzählung.

3 Punkte

 

Handlungsverlauf

Lene hat Romy aufgezogen, nachdem deren Mutter gestorben war, und hat ihr nun ihrerseits einen kleinen Hof im Heimatdorf Großzerlitzsch hinterlassen. Dieses "vergessene" Dorf im Ergebirge wird nur noch von Alten bewohnt, die einen Wettstreit daraus machen, wer eines der letzten beiden Gräber im Ort bekommt.

Nach ihrer Entlassung kehrt Romy heim, und da sie sich erfolglos um ein neues Engagement bemüht, beschließt sie in ihrer Verzweiflung, aus Omi Lenes alter Scheune selbst ein Theater zu bauen, und zwar ein elisabethanisches. Die Alten sollen ihr dabei helfen, auch, um sie vom Ringen um die verbliebenen Grabstellen abzulenken, nur sind die nicht sofort von der Sache begeistert.

4 Punkte

 

Sprachstil

Die Sprache ist sehr durchwachsen, es liest sich wie ein Erstlingswerk, keine Ahnung, ob es das vielleicht sogar ist. Teilweise schön flüssig und spannend erzählt, dann wieder eine Sprache, die mich eher an einen Mittelstufen-Pausenhof erinnert. Einige ziemlich unelegante Wortwendungen, auf die ich eher verzichtet hätte. Sehr witzig ist allerdings der sächsische Dialekt, ich sag nur "Römeöööö".

1 Punkt

 

Fehlerhäufigkeit

Es sind mit nicht viele Fehler aufgefallen, das Buch wurde relativ gut korrigiert.

2 Punkte

 

Charaktere

Romy ist eine süße, liebenswerte Person, ein bisschen hilflos, doch dann wächst sie über sich hinaus, stellt sich ihren Schwächen und söhnt sich sogar mit dem eher dämlichen Frischedoktor aus. Bei sämtlichen Alten neigt der Autor zur Überzeichnung, was aber zur Geschichte passt und recht gut gelungen ist. Am schwächsten finde ich Ben, der zunächst als Röcke jagende Hohbirne dargestellt wird. Die wundersame Wandlung kommt mir ein bisschen zu sehr aus dem Nichts heraus, es wäre glaubwürdiger gewesen, wenn sein vorgebliches Schürzenjägertum etwas subtiler dahergekommen wäre. So finde ich ihn ein bisschen unglaubwürdig. Artjom hingegen bleibt geheimnisvoll und undurchsichtig bis zum Schluss, was ich ganz spannend fand.

2 Punkte

 

Fazit

Ein gut lesbarer Unterhaltungsroman, aber eingefleischte Shakespeare-Fans sollten nicht zu viel erwarten. Einige ernstere Stellen geben der Geschichte Gewicht, und Romy und die Alten sind durchweg sympathische Figuren mit Ecken und Kanten. Ein wenig deutsch-deutsche Geschichte blitzt durch, was angenehme Spannung reinbringt.

Manche Stellen sind aber auch einfach eher schwach, so zum Beispiel die ganze Sache mit dem Bau, die ungeheuer im Vordergrund liegt, aber eher schlecht recherchiert ist. Auch der Charakter Ben ist ziemlich dürftig, und auf die im Titel implizierte Romanze von Romy wartet man vergebens.

Trotzdem ist das Ganze witzig und temporeich geschrieben, eine nette Lektüre zur Unterhaltung.

Highlight: Die Romanze von "Römeö und Juliä", die Alten im Dorf, Emil, der fahrende Supermarkt und Shakespeare auf Sächsisch.

19 von 26 Punkten

 

 

 

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