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Rezension "Die Chroniken von Azuhr 1"


Die Chroniken von Azuhr - der Verfluchte von Bernhard Hennen, Fischer Tor

 

Das Buch habe ich bei einer Leserunde bei Lovelybooks gewonnen. Der Gewinn beeinflusst jedoch nicht meine Meinung über das Buch.

 

Cover

Das Cover ist atemberaubend schön, Krähenmotiv und Schrift sind geprägt, es erinnert mich an "A Song of ice and fire" von G. R. R. Martin und lässt mich sofort in eine fremde Welt eintauchen. Perfekt.

2 Punkte

 

Titel

Der Titel - na ja. Das Wort "Chroniken" ist für meinen Geschmack schon etwas überstrapaziert, aber für den Umfang des Epos ist es durchaus passend gewählt. Die Schreibweise Azuhr mit h irritiert mich durchgehend, ich lasse das mal als dichterische Freiheit durchgehen. Allerdings passt der Titel wiederum zum blauen Buchschnitt, der mir gut gefällt. Das Buch ist allerdings viel zu gut, als dass ich hier Abzug vornehmen könnte.

2 Punkte

 

Klappentext

Aufgrund des Klappentextes hätte ich sicher zum Buch gegriffen, er macht neugierig und Lust auf mehr.

1 Punkt

 

Erste Abschnitte

Schon auf den ersten Seiten tauchen wir tief in die Welt von Azuhr ein und erfahren einiges über die Vergangenheit vom Großvater der Hauptfigur Milan, des Erzpriesters Lucio Tormeno. Sein Name brennt sich wortwörtlich in die Gedächtnisse der Menschen ein, und als Leser hat man ziemlich bald das Gefühl, dass alles, was im Buch geschieht, eine höhere Bedeutung für den Fortgang hat, etwas, worauf die Geschichte noch einmal Bezug nehmen wird. Gelungener Einstieg, fesselnd und packend. Hennen versteht es, mit den Gefühlen seines Lesers zu spielen. Ähnlich wie G. R. R. Martin betreibt er mitunter ein perfides Spiel: "Du magst diese Buchfigur? Dann lasse ich sie sterben!" Da hilft nur eins: Tapfer weiterlesen und hoffen, denn wie auch bei Martin ist bei Hennen eines gewiss: Der Tod muss nicht das sichere Ende sein.

3 Punkte

 

Spannungsbogen

So vielversprechend, wie die Geschichte beginnt, wird sie auch fortgeführt. Die Spannung ist beständig vorhanden, stellenweise fast bis zum Zerreißen, sodass man nägelkauend und Nächte durchwachend die Seiten verschlingt und das Buch einen überrollt wie ein epochales, vielstündiges Filmmeisterwerk.

5 Punkte

 

Handlungsverlauf

Milan ist der jüngste Sohn eines Erzpriesters und soll nach dem Versagen seiner älteren Brüder ebenfalls einer werden. Doch der junge Mann lehnt sich gegen seinen Vater auf und gerät in Kreise rund um die Rebellin Felicia und die geheimnisvolle Exotin Nok. Was zunächst nach einer spannenden Familiensaga klingt, weitet sich schnell aus in Pandämonium fremder Welten. Märengestalten wie der Kinder klauende Krähenmann scheinen sich aus den Geschichten in die Wirklichkeit zu erheben, das Verdunkeln der Sterne soll die Rückkehr der weißen Königin ankündigen. Milan steckt inmitten von allem, und aus dem jugendlichen Rebellen, der sich vom übermächtigen und erbarmungslosen Vater lösen will, wird ein verzweifelter Held, der nach und nach erkennen muss, dass nichts mehr so ist, wie es scheint, oder andersherum gesprochen: Alles, was nur zu sein schien, kann plötzlich wahr werden, und er muss lernen zu kontrollieren, wohin seine Gedanken wandern. Atemberaubend und fesselnd führt uns Hennen durch diese magische und vom Krieg gezeichnete Welt, spinnt seine Fäden, die vielversprechend auf eine lange Reise hindeuten, macht uns mit einer Welt vertraut, in der es tödlich ist, dem Falschen zu vertrauen, und in der Milan dennoch nicht bereit ist, seine Überzeugungen zu verraten.

5 Punkte

 

Sprachstil

Eine vortreffliche, bildgewaltige Sprache ohne zu erschlagen, lässt sich nicht nur leicht lesen, sondern verschlingen. Sehr gut.

3 Punkte

 

Fehlerhäufigkeit

Das Lektorat dieses Werks war sicher eine Mammutaufgabe, beim Lesen sind mir fast keine Fehler aufgefallen.

2 Punkte

 

Charaktere

Hennens Figuren sind lebendig gezeichnet - selbst die Toten - und wirken echt und lebensnah. Gut oder Böse - Hennen lässt seinen Leser oft im Unklaren, ob eine Person nun wirklich gut oder böse ist, ganz wie im richtigen Leben weisen sie vielerlei Facetten auf und bereiten mitunter überraschende Wendungen. Milan ist ein sympathischer und nicht unfehlbarer Held, der eine beeindruckende Entwicklung zeigt, ich habe oft sehr mit ihm mitgelitten. Sein Vater Nandus scheint zunächst der übermächtige Bösewicht zu sein, doch immer wieder blitzen Facetten auf, die mir Hinweise geben, er könnte sich eines Tages für eine andere Richtung entscheiden.

3 Punkte

 

Fazit

Ein meisterlich inszeniertes Fantasy-Epos zum Eintauchen und Verschlingen (oder verschlungen werden). Ich kann kaum mehr sagen, als dass ich jede Zeile genossen habe und jetzt schon der Fortsetzung entgegenfiebere. Hennen, das ist Tolkien und Martin. Vielleicht sollte er sich auch noch ein "R. R." in der Namensmitte zulegen. Ein dickes Plus: Die wunderschön illustrierte Karte auf der Klappeninnenseite. Ich bin begeistert, es ist ein Muss für Fantasy-Fans.

26 von 26 Punkten

 

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