· 

Rezension "Das verborgene Spiel"

Mein Highlight der letzten Jahre!

M. L. Rio, Das verborgene Spiel (deutsche Ü.)

 

Cover

Ein wunderschönes Cover, das an eine Schlüsselszene in der Geschichte erinnert.

2 Punkte

 

Titel

Den Titel finde ich gut gewählt, da er ein wenig an "Die geheime Geschichte" erinnert, zu der es durchaus Parallelen gibt. Zudem ist es eine treffende Beschreibung der Handlung, dem Spiel zwischen den (Theater-)Spielen, da man als Leser nie ganz sicher sein kann, wann die Charaketere sie selbst sind und wann sie nur schauspielern.

2 Punkte

 

Klappentext

Der Klappentext stimmt gut auf die Geschichte ein.

1 Punkt

 

Erste Abschnitte

Wir steigen in die Geschichte ein am Tag, als Oliver Marks nach zehn Jahren aus dem Gefängnis entlassen wird. Der Policeofficer, der ihn damals verhaftet hat, hat inzwischen den Dienst quittiert und besucht ihn privat, um ein letztes Mal um die echte Wahrheit zu bitten. Und Oliver beginnt zu erzählen, und sofort tauchen beim Leser die Fragen auf: Warum war Oliver im Gefängnis? Wer ist dieser Oliver? Und warum hat der Ermittler bislang nicht geglaubt, die ganze Wahrheit erfahren zu haben?

3 Punkte

 

Spannungsbogen

So läuft der Spannungsbogen weiter. Im Aufbau eines Dramas (Fünf Akte) befinden wir uns im jeweiligen Prolog in der Jetztzeit, bei Olivers Entlassung. In den folgenden Szenen wird nach und nach die Geschichte um die sieben Theater-Studenten ausgebreitet. Der Spannungsbogen ist perfekt gehalten, die Geschichte wie ein Teppich aus Geheimnissen und Überraschungen geknüpft.

5 Punkte

 

Handlungsverlauf

Die sieben Studenten des Abschlussjahrgangs für Schauspiel und Theater am renommierten Dellecher College scheinen eine verschworene Gemeinschaft zu sein, eine eigene Familie. Doch erste Risse werden rasch sichtbar, und eines Tages treibt einer von ihnen tot im Collegesee. Unter den verbliebenen sechs etwickeln sich ungeahnte Spannungen, positiver wie negativer Art, die dem Leser beständig das Gefühl geben, mit angehaltenem Atem weiterlesen zu müssen.

5 Punkte

 

Sprachstil

Prägend für diese Geschichte ist ein sehr starker Anteil an Shakespeare-Zitaten, teilweise werden ganze Teile von Szenen wiedergegeben. Wer Shakespeare liebt (so wie ich), für den sind die eingeflochteten Szenen ein Hochgenuss zu einer Geschichte, die sich sprachlich durchaus auf einem angemessenen, jedoch nicht abgehobenen Niveau abspielt. Das Lesen macht Spaß, es ist nicht anstrengend und trotzdem herausfordernd. Die Shakespeare-Zitate sind dermaßen raffiniert in die Handlung eingeflochten, zum Teil unterhalten die Studenten sich nur auf "shakespeareianisch", dass der Leser sich immer wieder unsicher sein muss, ob er nun Zeuge eines Schauspiels ist (einer Schauspielerei) oder ob die Figuren dies tatsächlich so empfinden.

3 Punkte

 

Fehlerhäufigkeit

Der Text ist sehr gut lektoriert, und korrigiert, die Übersetzung scheint mir sehr stimmig, und mir sind keine Fehler im Gedächtnis geblieben.

2 Punkte

 

Charaktere

Die Entwicklung der Charaktere ist sicher das, was das Buch so herauisragend macht. Ihre Entwicklung ist differenziert, teils subtil, dann wieder plötzlich und unerwartet, und doch alles in sich schlüssig und so authentisch, dass ich das Gefühl hatte, ich lebe in diesem Jahr (von dem Oliver erzählt) mit unter den sieben. Nichts ist einfach nur gut oder böse, nichts ist schwarz oder weiß, wir sind mehr als nur unsere Erscheinung oder unser Ego, so könnte das sehr Shakespeare-hafte Fazit lauten.

3 Punkte

 

Fazit

Ein großartiges Buch, mein absolutes Highlight seit Jahren und einem Vergleich mit Donna Tartts "Die geheime Geschichte" würdig!

26 von 26 Punkten

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0