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Rezension "365 - Wenn die Masken fallen"

365 Wenn die Masken fallen - Isabel Kritzer           

 

Cover

Das Cover entspricht nicht so ganz meinem Geschmack und lässt für mich ziemlich offen, worum es in dem Buch geht. Ich hätte mir etwas Gegenständlicheres gewünscht.

0 Punkte

 

Titel

Der Titel baut eine Spannung auf, der mich beim Lesen durch die erste Hälfte des Buchs getragen hat. Wenn die Masken fallen - es ist klar und ständig latent präsent, dass etwas passieren muss.

2 Punkte

 

Klappentext

Ein stimmiger Klappentext, der auf den Inhalt des Buchs gut vorbereitet.

1 Punkt

 

Erste Abschnitte

Charlotte "Charly" Clark stellt sich uns vor. Der Prolog in Kursiv-Schrift ist etwas mühsam, das erste Kapitel beginnt dann aber gleich mit einem ziemlichen Knaller: Unverhofft soll Charly Nachfolgerin der Geschäfte ihres Vaters übernehmen.

3 Punkte

 

Spannungsbogen

Der Spannungsbogen an und für sich ist durchaus gut gehalten, da durch Titel und Klappentext eine Spannung aufgebaut wird: Es muss etwas passieren, nur weiß man lange nicht, was, und das hält einen bei der Stange.

5 Punkte

 

Handlungsverlauf

Charly ist ein Kind reicher Eltern, schön, erfolgreich, beliebt. Die Handlung erstreckt sich über ein Jahr, und die erste Hälfte davon ist geprägt von Ereignissen, von denen eines noch das nächste übertrumpft - Geld, Freundschaft, Liebe, Karriere. Doch das Konstrukt ist hohl, man spürt es die ganze Zeit beim Lesen und wartet die ganze Zeit darauf, dass etwas passiert, dass Charlys schöne, reiche, erfolgsverwöhnte Kulisse bröckelt. Und das tut sie, und im gleichen Maß, wie zuvor ein Höhepunkt den nächsten gejagt hat, folgt nun ein Tiefschlag nach dem nächsten. Ein kleines Manko aber gibt es: Zeitweise erstrecken sich lange Erklärungen über Krebsforschung, BWL, Auto-Innenaustattung - Dinge, die für die Handlung ziemlich nebensächlich sind und mit wenigen Worten hätten geklärt werden können. Das ist nicht zu häufig der Fall, aber an einigen Stellen lässt es doch das Lesen etwas zäh werden. Andere Dinge entwickeln sich wieder so abrupt, dass ich manchmal beim Lesen dachte, ich habe Seiten überschlagen.

3 Punkte

 

Sprachstil

Der Sprachstil ist durchaus anspruchsvoll, aber an manchen Stellen noch ein wenig unausgewogen. Die inflationäre Verwendung des Wortes "indes" nervt mich etwas, vielleicht einfach, weil es sich für mich so fremd und altertümlich anhört. Insgesamt erinnert mich die Sprache manchmal an das Gequatsche von blasierten Gymnasiasten, was prinzipiell zur Geschichte passt, aber dann hätte es noch konsequenter umgesetzt werden dürfen.

2 Punkte

 

Fehlerhäufigkeit

Das Buch ist gut korrigiert, ich habe kaum Fehler gefunden.

2 Punkte

 

Charaktere

Charly und Vanessa sind mir auf Anhieb sympathisch, und ich leide sehr mit ihnen. Sie wirken lebendig und facettenreich. Charlys Eltern wirken beide für sich sehr kühl und distanziert, was durchaus Sinn der Geschichte ist. Roger ist mir äußerst unsympathisch, bei ihm dachte ich ständig: Der glaubt, mit Geld alles kaufen zu können. Mit André wurde ich auch nie warm, und ich fragte mich, was Charly an dem fand bzw. warum sie sich für so einen kalten Fisch lang macht. Aber das war nun einmal die (Schein-)Welt, in die sie gerutscht war und die sich in der Geschichte nach und nach entblößt. Insgesamt finde ich die Figuren stimmig, manchmal aber sind die Veränderungen etwas abrupt.

2 Punkte

 

Fazit

Eine spannende Geschichte um eine junge Frau, die in einer Welt aus Schönen und Reichen lebt und dort weiter aufsteigt, um dann eine harte Landung in der Realität zu erfahren. Gut geschrieben mit nur kleineren Schwächen, die dem Lesevergnügen wenig Abbruch tun. Fesselndes Buch mit einer sympathischen Protagonistin.

20 von 26 Punkten

 

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